BAO-MAO-AKTUELL EXTRA vom 24.November 08
Nachrichten für Ambulante Operateure und Anästhesisten  
   
 

+++ Pressemitteilung des Landesverbandes für Ambulantes Operieren in Bayern (LAOB) e. V. vom 21.11.08 +++
Für ambulante Operateure in Bayern gibt es ab 2009 kein Honorar mehr

Um durchschnittlich 20 Prozent werden die Honorare für ambulante Operationen in Bayern ab 2009 absinken. Derart niedrige Erlöse decken nicht einmal die Sach- und Betriebskosten einer ambulanten Operationseinrichtung - von einem leistungsgerechten Arzthonorar ganz zu schweigen. Mit der zwangsläufigen Verlagerung von Operationen in den stationären Bereich drohen den Krankenkassen horrende Mehrkosten.
München, 21. November 2008. Mit Empörung hat der Landesverband für Ambulantes Operieren in Bayern (LAOB) auf den Beschluss des Bayerischen Schiedsamts vom 6. November 2008 reagiert, mit dem der Punktwert für ambulante Operationen für 2009 auf 3,5 Cent festgelegt wurde. Der LAOB-Vorsitzende Dr. Axel Neumann erklärte: "Bereits bei einem Punktwert von 4,0 Cent gibt es keinen Arztlohn, damit lassen sich nur mit Mühe und Not die Sach- und Betriebskosten decken. Mit jedem neuen Beschluss entfernen sich die Verhandlungspartner weiter von der betriebswirtschaftlichen Kalkulation des EBM von 2005, der noch ein Punktwert von 5,11 Cent zugrundeliegt."
Einschränkungen beim ambulanten Operieren gefährden die freie Arztwahl
Die Absenkung der Honorare um 20 Prozent wird nach Einschätzung des LAOB allerdings keineswegs zur Kostensenkung bei den Krankenkassen beitragen. Vielmehr wird sie dazu führen, dass die Zahl ambulanter Operationen in Bayern im kommenden Jahr dramatisch zurückgeht. "Damit ist absehbar, dass viele Patienten künftig nicht mehr vom Facharzt ihrer Wahl operiert werden können, sondern gezwungen sind ins Krankenhaus zu gehen", warnte Neumann.
Endlich den Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Leistung" umsetzen
Dieses Szenario lässt sich nur vermeiden, wenn die Verhandlungspartner der ärztlichen Selbstverwaltung und der Krankenkassen bei der Vergütung ambulanter Operationen endlich nach dem Grundsatz "gleiches Geld für gleiche Leistung" handeln. Der LAOB-Vorsitzende kritisierte: "Gebetsmühlenartig predigen die Verantwortlichen seit Jahren die Förderung des ambulanten Operierens – dennoch vergüten die Kassen den operativen Eingriff im niedergelassenen Bereich im Schnitt nur halb so hoch wie den gleichen Eingriff unter stationären Bedingungen." Der Verband verweist in diesem Zusammenhang auf eine aktuelle Untersuchung von Dr. Frank Vescia vom Berufsverband Deutscher Anästhesisten in Bayern, in der die Vergütung nach dem EBM 2009 bei 17 der 30 häufigsten ambulanten Operationen mit der Vergütung im DRG-System verglichen wurde.
Punktwerte beim ambulanten Operieren auf 5,11 bis 12,07 Cent anheben
Die Ergebnisse der Untersuchung sind erschreckend: So erhält der ambulant operierende und selbstständig wirtschaftende Gynäkologe für eine Abrasio künftig nur noch 203,08 Euro inklusive aller Sach- und Infrastrukturkosten, während das steuerfinanzierte Krankenhaus für den gleichen Eingriff 738,40 Euro erzielt. Noch größer ist die Differenz bei einer chirurgischen Leistung wie der Operation des Karpaltunnelsyndroms: Der niedergelassene Chirurg erhält 321,50 Euro, während das DRG-Entgelt sich auf 2.046,20 Euro beläuft. Das im Verhältnis niedrigste Honorar erzielt ab 2009 der niedergelassene HNO-Arzt mit 207,73 Euro bei einer Adenotomie – hierfür werden im Krankenhaus 1.432,60 Euro fällig. "Damit ambulante Operateure im EBM 2009 auch nur annähernd die gleiche Kostendeckung wie Kliniken im DRG-System erreichen, müssten die Punktwerte je nach Art des Eingriffs zwischen 5,11 und 12,07 Cent liegen" schloss Neumann.
Über den LAOB
Der Landesverband Ambulantes Operieren Bayern e.V. (LAOB) vertritt als regionale Untergruppierung des Bundesverbandes Ambulantes Operieren e.V. (BAO) die Tätigkeit und Interessen der ambulanten Operateure (Chirurgen, Orthopäden, Augenärzte, Gynäkologen, HNO-Ärzte und Dermatologen) und der ambulant tätigen Anästhesiologen. Der LAOB setzt sich auf Landesebene für die Förderung und Verbreitung der Wissenschaft und Forschung auf dem Gebiet des ambulanten Operierens ein. Politisches Ziel ist die Verbesserung der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für das ambulante Operieren.
Mehr Informationen und die vollständige Untersuchung von Dr. Frank Vescia finden Sie im Internet unter http://www.laob.de
Quelle: Landesverband Ambulantes Operieren Bayern e.V. (LAOB), 1. Vorsitzender Dr. Axel Neumann
Pressekontakt: Antje Soleimanian, antje@soleimanian.de

+++ Redetext Dr. Axel Neumann auf der Vertreterversammlung der KV Bayern am 22.11.2008 nach dem Referat von Dr. Köhler, KBV: +++

Sehr geehrter Herr Kollege Köhler,
vielen Dank für Ihr wortgewandtes Referat – Sie haben die fachärztliche Massenversorgung in politisch schwierigen Zeiten am Leben erhalten – dafür gebührt Ihnen Dank!
Es wäre aber ehrlich und fair gewesen hier auch zu präsentieren, was die KBV nicht erreicht hat!

Sie und damit wir haben uns mit dieser Gebührenreform endgültig von der mühsam erarbeiteten betriebswirtschaftlichen Kalkulation des EBM verabschiedet.
Auch wenn wir alle wissen, dass Sie für Schiedsamtseinscheidungen nicht persönlich verantwortlich sind, unterstelle ich Ihnen, dass Sie bewusst Bauernopfer gebracht haben.
Und diese Bauernopfer sind alle diejenigen Fachärzte, die hochspezialisierte Leistungen, stationsersetzende Leistungen erbringen und jetzt vom Tellerrand gestoßen worden sind.

Es sind all diejenigen Kollegen, die tatsächlich in direkter Konkurrenz zu Krankenhäusern arbeiten und ihren Kampf gegen den § 116 nun verlieren werden.
Dazu gehören vor allem die ambulanten Operateure, die Belegärzte und erst recht die Anästhesisten, die ich hier auch vertrete.
Ich bin sicher, dass Ihnen die Zahlen auf dieser Folie an der Wand hier längst bekannt sind – die KBV weiß seit Ewigkeiten, dass bis zu einem Punktwert von 4.0 Cent kein, aber auch gar kein Arztlohn fließt.
Und ich darf Sie bitten, mir noch einmal genau zu erklären, wie es in den Verhandlungen mit den Kassen zu diesem Ergebnis kommen konnte.
Die Konsequenz ist uns allen und sicherlich auch Ihnen bewusst: Die ambulanten Operationen und stationsersetzenden Leistungen, die von Vertragsärzten mangels Finanzierung nun nicht mehr erbracht werden können, werden in Krankenhaus-Ambulanzen landen. Und diese Krankenhausambulanzen sind entweder von Steuergeldern oder von Konzernen finanziert.
Schon unter den alten Vergütungen haben wir in Bayern einen deutlichen Rückgang der Zahl der ambulanten Operationen festgestellt -

Herr Köhler – dieses Verhandlungsergebnis ist ein Desaster für uns – und in der Annahme, dass Sie nicht besser verhandeln konnten, dürfen wir zumindest von Ihnen und der KBV erwarten, dass Sie dieses Desaster für besonders spezialisierte Fachärzte auch so benennen und so kommunizieren.
Wir dürfen von den KV'n erwarten, dass diese Missstände durch die Verweigerungshaltung der Krankenkassen auch öffentlich angeprangert werden.
Und wir dürfen von den KV'n erwarten, dass sie umgehend neue Verhandlungen mit den Krankenkassen aufnehmen, um unseren Ruin zu verhindern.

Vergleich EBM 2008 und EBM 2009

EBM

Bezeichnung
EBM 2008
EBM 2009
Differenz alt/neu
Prozent

31301

Abrasio 253,50 € 203,08 € -50,42 € -19,89 %
31302 Konisation 396,00 € 313,62 € -50,42 € -19,89 %
31133 D3-Metall-ex 627,25 € 497,63 € -129,62 € -20,66 %
31132 D2-Metall-ex 463,25 € 367,97 € -95,28 € -20,57 %
31231 Adenotomie 259,25 € 207,73 € -51,52 € -19,87 %
31242 CTS 405,75 € 321,50 € -84,25 € -20,76 %
31203 Parvaexhairese 604,50 € 475,65 € -128,85 € -21,32 %
31204 Magna 733,75 € 580,10 € -153,65 € -20,94 %
31122 Sehnenscheide C2 413,50 € 327,77 € -85,73 € -20,73 %
31102 Phimose 400,75 € 317,46 € -83,29 € -20,78 %
31122 Ganglion C2 413,50 € 327,77 € -85,73 € -20,73 %
31133 Hallux valgus 627,25 € 497,63 € -129,62 € -20,66 %
31135 Bandscheibe D5 1.080,25 € 860,13 € -220,12 € -20,38 %
31154 Hernie 721,00 € 569,80 € -151,20 € -20,97 %
31173 Hämorrhoiden 600,00 € 472,01 € -127,99 € -21,33 %
31233 Nasenseptum OP N3 575,25 € 455,61 € -119,64 € -20,80 %
31232 Nasenmuschel N2 419,75 € 332,82 € -86,93 € -20,71 %

Erklärung Tabelle 1: Durch die Bewertung mittels des BOP = 3,5001 € werden die ambulante Operationen in 2009 (OP, Narkose und Aufwachraum) um ca. 20 % geringer vergütet als im Jahr 2008 nach Abrechnung innerhalb der Strukturverträge (PW = 0,05 €). Nicht enthalten in dieser Summe sind die Vergütung der Grundpauschale und der postoperativen Nachsorge durch Hausarzt oder Facharzt.




 
 

Bundesverband für Ambulantes Operieren e.V. – BAO
Präsident Dr. med. Jörg-A. Rüggeberg
Vereinsregister VR 6346
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