Angestrebte
Kostenvorteile für Ärzte lassen sich ebenso gut in Gemeinschaftspraxen erzielen
2006 +++ Eva Richter +++
Quelle: Ärzte-Zeitung 3. Okt. 2006
Sind Medizinische
Versorgungszentren (MVZ) für Ärzte eine Chance oder eine Gefahr? Beides, sagte
Frank Bausch, Geschäftsführer der KV Nordrhein Consult GmbH, in Bad
Honnef beim siebten Deutschen Krankenhausrechtstag. Vertragsärzten bringe die
MVZ-Gründung jedoch oft kaum Vorteile.
Das MVZ-Konzept wird
nach Ansicht von Bausch überbewertet: "Ein MVZ ist nur eine von mehreren
Organisationsmöglichkeiten", meint er. "Abrechnungstechnisch gesehen
ist es praktisch wie eine Gemeinschaftspraxis."
Es gibt Bausch zufolge
einige Gründe, die für ein MVZ sprechen. Ärzte können Kosten
sparen, weil sie Einrichtung und Personal teilen. Es gibt ein gemeinsames
Marketing. Budgetüberschreitungen können intern kompensiert werden. Zudem gibt
es mehr Flexibilität bei den Arbeitszeitmodellen. Wichtig ist auch die
persönliche Situation der einzelnen Mediziner: "Interessant ist ein MVZ
für ältere Ärzte, die ihre Arbeit verringern oder ihren Sitz abgeben
wollen."
Zum Aufbau gehört
Unternehmergeist
Wer ein MVZ gründen
will, müsse jedoch Unternehmergeist und betriebswirtschaftliches Know-how
besitzen, meint Bausch. Größere Einheiten bedeuteten auch mehr Aufwand für
Verwaltung, Organisation und Koordination.
Die meisten Vorteile der
MVZ ließen sich auch durch andere Kooperationsformen erreichen, zum
Beispiel durch Gemeinschaftspraxen. Bausch: "Das neue
Vertragsarztrecht-Änderungsgesetz schafft hier sogar zusätzliche Möglichkeiten:
Künftig können auch Vertragsärzte und Gemeinschaftspraxen Sitze erwerben und
mit Angestellten besetzen."
Die meisten MVZ sind von
Ärzten gegründet worden
Knapp 500 MVZ gibt es
zur Zeit, etwa 2000 Ärzte sind dort beschäftigt, mehr als die Hälfte von ihnen
im Angestelltenverhältnis. Die meisten MVZ werden von Vertragsärzten gegründet
(rund 61 Prozent), 27 Prozent von Krankenhäusern, etwa zwei Prozent von beiden
gemeinsam.
Der Einstieg ins MVZ sei
der Anfang vom Ausstieg aus der Freiberuflichkeit. Und das, so Bausch,
sollten sich Ärzte gut überlegen.