Häufigkeit von ambulanten Operationen mit nachfolgender stationärer Behandlung

Eine Krankenhausbehandlung ist ein seltenes Ereignis

 

2006 +++ Jost Brökelmann, Ralf Mayr +++ Quelle: ambulant operieren 4/2006, 181-183

 

Seit Einführung des Qualitätssicherungssystems AQS1 für ambulante Operationen (Jörg-A. Rüggeberg; Erste Ergebnisse der BAO-Qualitätssicherung; ambulant operieren 2/2000: 98-99) nehmen mehr als 160 Praxen an dem Qualitätssicherungssystem teil. Insgesamt wurden ca. 140.000 Operationen ambulant vorgenommen. Über ein Drittel dieser Operationen führten die Kollegen der Gynäkologie durch. Der Anteil der chirurgischen Operationen liegt bei über 20% und ist damit die zweithäufigste vertretene Fachgruppe bei ambulant durchgeführten Eingriffen. Es folgen die Fachgruppen Orthopädie und HNO (Abb. 1).

 

Innerhalb der Fachgruppen Gynäkologie, Chirurgie, Orthopädie und HNO ergeben sich folgende Verteilungen der Operationen: In der Gynäkologie ist die Abrasio uteri mit 16 % die häufigste Operation, in der Chirurgie die Arthroskopie mit 16 %, in der Orthopädie ebenfalls die Arthroskopie mit 49 % und im HNO-Bereich die Adenotomie mit 51 %.

 

Wird die Komplikation "stationäre Aufnahme" als verhältnismäßig hartes Kriterium für eine Komplikation angenommen, ergibt sich folgende Rangfolge: Die Arthroskopie der Schulter ist mit 12,6 % der operativen Eingriffen am häufigsten mit einem stationären Aufenthalt verbunden. Es folgen der Leistenbruch mit 3,8 % und die laparoskopische Operation an Uterus oder Ovar mit etwa 2,6 %. Alle übrigen Operationsarten führen in weniger als 2 % der Fälle zu einem Krankenhausaufenthalt (Abb. 6-9).

 

Diskussion

Der hohe Anteil an gynäkologischen Operationen beim Qualitätssicherungssystem AQS1 begründet sich durch die seit 1984 bestehende Tradition von Qualitätssicherung im Fach Gynäkologie (Brökelmann,J. Ambulantes Operieren – Der neue Weg in der Gynäkologie. Thieme 1993). Außerdem ist seit einiger Zeit die Teilnahme am AQS1-System Voraussetzung für die meisten Integrierten Verträge in der Gynäkologie.

 

Grundsätzlich sollte auf dem AQS1-Erhebungsbogen mit der erstgenannten OPS-Ziffer die Hauptprozedur erfasst werden. In der Statistik wurde nur diese erste OPS-Ziffer ausgewertet. Daher lässt sich kein Rückschluss auf den Umfang der Operation ziehen; denn häufig werden bei aufwändigeren Eingriffen mehrere Prozeduren gleichzeitig durchgeführt. So lässt sich erklären, dass die Abrasio uteri in der Statistik als häufigste Hauptoperation erscheint.

 

Daher muss man bei Ausfüllen des Erhebungsbogens den erstgenannten operativen Eingriff, der die Hauptprozedur darstellt, mit besonderer Sorgfalt auswählen. Denn erst eine Statistik nach Haupteingriffen macht den Vergleich von Komplikationsraten sinnvoll ebenso wie den Vergleich mit anderen Praxen im so genannten Benchmarking.

 

Nahezu alle Operationen, die ambulant durchgeführt werden, bleiben ambulante Eingriffe, d.h. eine postoperative stationäre Aufnahme erfolgt nur in den seltensten Fällen. Eine routinemäßige stationäre Durchführung dieser Operationen ist deshalb nicht gerechtfertigt.

 

Es gibt keinen international anerkannten Grenzwert für die Häufigkeit einer postoperativ notwendigen stationären Aufnahme, bis zu der eine ambulante Durchführung der Operation gerechtfertigt ist. Die in den Abbildungen dargestellten Statistiken zeigen eindrücklich, dass die aufgelisteten Prozeduren primär ambulant durchgeführt werden können und auch sollten. Der Schluss liegt nahe, alle in der AQS1-Qualitätssicherung genannten Prozeduren in den Katalog ambulanter Operationen nach § 115 b SGB V aufzunehmen, falls dies noch nicht geschehen ist.

 

Die Übersicht über Häufigkeiten und Komplikationen von ambulanten Operationen ist eine wertvolle Hilfe beim präoperativen Aufklärungsgespräch mit dem Patienten/der Patientin. Der Patient kann durch die eingriffsspezifische Auswertung individuell über die Risiken und die zu erwartenden postoperativen Beschwerden schon im Vorfeld beraten werden.

 

Zusammenfassung

Das Qualitätssicherungssystem AQS1 hat sich seit über 6 Jahren in der Praxis bewährt. Insbesondere bietet es seinen Teilnehmern einen Vergleich der eigenen Daten mit dem Gesamtkollektiv (sog. Benchmarking). Im AQS1-System gibt es mittlerweile Durchschnittswerte von großen Kollektiven, an denen der Einzelne seine eigenen Ergebnisse messen kann. Der Einsatz eines Qualitätssicherungssystems in der Praxisklinik führt zu einer kontinuierlichen Verbesserung der Abläufe und stellt ein wichtiges Instrument zur Dokumentation der Patientenzufriedenheit dar. Die erreichten Verbesserungen fördern die Kommunikation und Motivation im Praxisteam.

 


Prof. Dr. Jost Brökelmann

Bundesverband für Ambulantes Operieren

Ralf Mayr

http://www.medicaltex.de/

 

Abb. 1:   Verteilung der ambulanten Operationen auf die in AQS1 vertretenen Fachgruppen

Fachrichtung

Anzahl

Gynäkologie

46.108

Chirurgie

31.074

Orthopädie

25.525

HNO

3.136

Rest

32.349

Summe

138.192

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 138.192 Fragebögen

Abb. 2:   Die 10 häufigsten Eingriffe nach OPS-Ziffern in der Gynäkologie

OPS-Ziffer

Anzahl

Anteil

Prozedur

5-690

6.579

16%

Abrasio uteri

5-681

5.798

14%

Exzision Gewebe Uterus

1-672

4.925

12%

Diagnostische Hysteroskopie

5-751

3.949

9%

Kürettage nach Schwangerschaft

5-651

2.311

5%

PE Ovar

5-671

2.191

5%

Konisation Cervix uteri

1-694

2.178

5%

Diagnostische Laparoskopie

5-712

1.467

3%

Vulva-PE

1-471

1.322

3%

PE Endometrium

5-699

1.052

2%

Operationen an Uterus und Parametrien

Rest

10.571

25%

 

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 42.343 Fragebögen

Abb. 3:   Die 10 häufigsten Eingriffe nach OPS-Ziffern in der Chirurgie

OPS-Ziffer

Anzahl

Anteil

Prozedur

5-812

4.195

16%

Arthroskopie

5-056

3.061

11%

Neurolyse

5-530

2.353

9%

Leistenbruch

5-385

1.803

7%

Varizen-Operation

5-787

1.352

5%

Metall-Entfernung

5-840

1.220

5%

Operation an Sehnen der Hand

5-895

1.127

4%

Hauttumor

5-849

823

3%

Operation an der Hand

5-813

811

3%

Arthroskopie Kapselbandapparat

5-788

612

2%

Operation am Fuß

Rest

9.463

35%

 

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 26.820 Fragebögen

Abb. 4:   Die 10 häufigsten Eingriffe nach OPS-Ziffern in der Orthopädie

OPS-Ziffer

Anzahl

Anteil

Prozedur

5-812

11.415

49%

Arthroskopie

5-813

2.156

9%

Arthroskopie Kapselbandapparat

5-056

1.809

8%

Neurolyse

5-814

1.232

5%

Arthroskopie Schulter

5-810

796

3%

Arthroskopie Gelenkrevision

5-788

583

3%

Operation am Fuß

5-830

567

2%

Inzision Wirbelsäule

5-787

559

2%

Metall-Entfernung

5-811

541

2%

Arthroskopie Synovialis

1-697

535

2%

Diagnostische Arthroskopie

Rest

2.992

13%

 

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 23.185 Fragebögen

Abb. 5:   Die 10 häufigsten Eingriffe nach OPS-Ziffern im HNO-Bereich

OPS-Ziffer

Anzahl

Anteil

Prozedur

5-285

1.443

51%

Adenotomie

5-214

581

20%

Nasenseptums-Operation

5-215

190

7%

Operation Nasenmuschel

5-200

120

4%

Parazentese (Myringotomie)

5-218

82

3%

Rekonstruktion Nase

5-224

52

2%

Nasennebenhöhlen-Operation

5-300

52

2%

PE Larynx

5-185

27

1%

Operation äußerer Gehörgang

5-184

27

1%

Operation abstehende Ohren

5-201

23

1%

Entfernung Paukendrainage

Rest

253

9%

 

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 2.850 Fragebögen

Abb. 6:   Komplikation "Stationäre Aufnahme" für die 10 häufigsten Eingriffe in der Gynäkologie

OPS-Ziffer

Anteil

Prozedur

5-699

2,66%

Operationen an Uterus und Parametrien

5-651

2,61%

PE Ovar

5-681

0,53%

Exzision Gewebe Uterus

1-694

0,50%

Diagnostische Laparoskopie

5-690

0,37%

Abrasio uteri

5-671

0,20%

Konisation Cervix uteri

1-672

0,17%

Diagnostische Hysteroskopie

5-751

0,09%

Kürettage nach Schwangerschaft

5-712

0,00%

Vulva-PE

1-471

0,00%

PE Endometrium

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 28.780 Fragebögen

Abb. 7:   Komplikation "Stationäre Aufnahme" für die 10 häufigsten Eingriffe in der Chirurgie

OPS-Ziffer

Anteil

Prozedur

5-530

3,83%

Leistenbruch

5-895

0,94%

Hauttumor

5-788

0,90%

Operation am Fuß

5-812

0,60%

Arthroskopie

5-787

0,58%

Metall-Entfernung

5-385

0,37%

Varizen-Operation

5-056

0,23%

Neurolyse

5-849

0,14%

Operation an der Hand

5-813

0,13%

Arthroskopie Kapselbandapparat

5-840

0,00%

Operation an Sehnen der Hand

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 15.363 Fragebögen

Abb. 8:   Komplikation "Stationäre Aufnahme" für die 10 häufigsten Eingriffe in der Orthopädie

OPS-Ziffer

Anteil

Prozedur

5-814

12,56%

Arthroskopie Schulter

5-788

2,04%

Operation am Fuß

1-697

0,79%

Diagnostische Arthroskopie

5-813

0,77%

Arthroskopie Kapselbandapparat

5-811

0,59%

Arthroskopie Synovialis

5-812

0,40%

Arthroskopie

5-787

0,19%

Metall-Entfernung

5-056

0,12%

Neurolyse

5-810

0,00%

Arthroskopie Gelenkrevision

5-830

0,00%

Inzision Wirbelsäule

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 19.055 Fragebögen

Abb. 9:   Komplikation "Stationäre Aufnahme" für die 10 häufigsten Eingriffe im HNO-Bereich

OPS-Ziffer

Anteil

Prozedur

5-218

1,23%

Rekonstruktion Nase

5-214

0,25%

Nasenseptums-Operation

5-285

0,00%

Adenotomie

5-215

0,00%

Operation Nasenmuschel

5-200

0,00%

Parazentese (Myringotomie)

5-224

0,00%

Nasennebenhöhlen-Operation

5-300

0,00%

PE Larynx

5-185

0,00%

Operation äußerer Gehörgang

5-184

0,00%

Operation abstehende Ohren

5-201

0,00%

Entfernung Paukendrainage

Quelle: AQS1-Studie, www.medicaltex.de, n = 2.115 Fragebögen