Zu einer "Sterne-Praxis" gehört mehr als nur Freundlichkeit
Die Qualität der Behandlung und die Wertschätzung durch das Praxisteam - das ist das Markenzeichen erfolgreicher Arztpraxen

2007 +++ Theresia Wölker +++ Quelle: Ärzte-Zeitung 24. Januar 2007

 

Auszüge

Die Qualität der Behandlung und die Wertschätzung durch das Praxisteam - das ist das Markenzeichen erfolgreicher Arztpraxen. Die Fachkompetenz eines Arztes können Patienten oft nur schwer beurteilen, aber sie haben feine Antennen für das Behandlungsumfeld. Daran wird letztlich jede Praxis gemessen.

 

Zufriedene Patienten stimmen mit den Füssen ab, heißt es - sie kommen immer wieder. Aber an welchen Kriterien ist ablesbar, ob eine Praxis gut ist? Nützlich zur Beantwortung dieser Frage kann eine Checkliste sein, wie sie beispielsweise das Ärztliche Zentrum für Qualität (ÄZQ) zusammen mit dem Patientenforum, einem Zusammenschluss großer Selbsthilfedachverbände, erarbeitet hat.

 

Für die meisten Praxen wird das Abarbeiten dieser Liste problemlos sein. Im Zuge der Einführung eines Qualitätsmanagements und wenn "exzellente Leistungen" das Praxisziel sind, gibt es möglicherweise doch noch Verbesserungspotenzial, das im Team besprochen werden kann. So berichtete in einer Schulung ein Praxisteam vom Anspruch, eine "Sterne-Praxis" zu führen, nach dem Motto: Gut ist uns nicht gut genug.

 

Highlights für einen Patienten sind nicht nur das Zuhören und die Zuwendung. Sterne-Qualität zeigt sich in einem besonders freundlichen Umgangston, vor allem beim Erstbesuch. In Erinnerung bleibt einem Patienten dann zum Beispiel die Arzthelferin, die sich persönlich mit Namen als Ansprechpartnerin vorstellt, den Patienten herzlich willkommen heißt und den organisatorischen Ablauf erklärt. Ein respektvoller Umgang mit Patienten zeigt sich zum Beispiel in einer präventiven Information bei unvorhergesehenen Wartezeiten und im eleganten Umgang mit schwierigen Situationen.

 

In der Checkliste des ÄZQ wird auch als gut bewertet, wenn die Praxis weiterführendes Informationsmaterial bereithält. In vielen Praxen gibt es zu dieser Thematik eigene hohe Qualitätsstandards, die von der Sozialdatei mit Adressen von Anlaufstellen (wie Selbsthilfegruppen, Patientenberatungen) über die internen Patientenseminare und -schulungen bis hin zu Plakaten, Litfass-Säulen und Wartezimmer-TV reichen.

 

Qualitätsrelevant für die Beurteilung außergewöhnlich guter Leistungen sind die Wahrung der Intimsphäre und die konsequente Vermeidung peinlicher Situationen.

 

Ein Arztbesuch ist für einen Patienten immer ein außergewöhnliches Ereignis. "Bietet mein Arzt eine Praxisorganisation, die mir den Arztbesuch erleichtert?" - diese Frage sollte in Teambesprechungen zum Anlass genommen werden, nach Verbesserungen zu suchen und zusätzliche Angebote zu entwickeln. Bereits 53 Prozent der Ärzte sehen solche Maßnahmen als wichtig oder sehr wichtig. Dies zeigt eine aktuelle Studie der Stiftung Gesundheit. Es reicht eben nicht, gut zu sein, man sollte sich als Praxisteam nicht scheuen, die eigene gute Praxisqualität auch deutlich nach außen sichtbar zu machen.

Die Checkliste im Internet: www.patienten-information.de

                                  
Die Checkliste "Gute Arztpraxis"
Auf folgende Punkte werden Patienten in der Checkliste "Gute Arztpraxis" unter anderen hingewiesen:
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Nehmen Arzt und Team mich und mein gesundheitliches Problem ernst? Erhalte ich eine verständliche Aufklärung?
- Erhalte ich von meinem Arzt weiterführendes Info-Material, etwa über Hilfsangebote?
- Kann ich gemeinsam mit meinem Arzt über die Art meiner Behandlung entscheiden?
- Werde ich freundlich und respektvoll behandelt?
- Erhalte ich ohne Probleme Zugang zu meinen Patientenunterlagen?
- Werden in der Praxis meine Intimsphäre und der Schutz meiner persönlichen Daten gewahrt?
- Bietet mein Arzt eine Praxisorganisation, die mir den Arztbesuch erleichtert?
- Sind Qualitätsmaßnahmen für mich als Patient erkennbar?