Wirtschaftliche Aspekte bildgebender Verfahren in der medizinischen Diagnostik

 

 

2009 +++ Paul Andermann +++ Quelle: Studienarbeit in European Health Care, Fachhochschule Deggendorf. Originalarbeit hier pdf-Datei

 

Mit der Darstellung von wirtschaftlichen Aspekten bei Verfahren der bildgebenden Diagnostik will die vorliegende Arbeit eine wissenschaftlich und methodisch fundierte Herangehensweise an Kosten-Nutzen-Rechnungen im Gesundheitswesen aufzeigen, erhebt jedoch nicht den Anspruch einer Analyse auf Vollkostenbasis. Vielmehr soll versucht werden, anhand einer exemplarischen Kosten-Nutzen-Analyse für die bildgebenden Verfahren bei den drei häufigsten Karzinomarten in Deutschland zu veranschaulichen, welche Istkosten durch die einzelnen diagnostischen Verfahren im stationären und niedergelassenen Bereich entstehen und wie hoch die entsprechenden Vergütungsbeträge durch die Kostenträger sind. Dabei wird deutlich, dass die meisten diagnostischen Leistungen, wenn sie nach dem EBM 2009 vergütet werden, nicht kostendeckend bezahlt werden (Tab. 1 und 2).

 

 

 

Tab. 1: Vergleich der entstandenen Istkosten mit den Vergütungsansprüchen nach EBM 2009 und GOÄ in der Primär- und Differenzialdiagnostik bei einer bösartigen Neubildung der Brustdrüse.

 

 

 

 

Tab. 2: Vergleich der entstandenen Istkosten mit den Vergütungsansprüchen nach EBM 2009 und GOÄ in der Primär- und Differenzialdiagnostik bei einer bösartigen Neubildung des Dickdarms.

 

 

Ein ähnliches Bild ergibt sich nach GOÄ-Vergütung für die konventionelle Röntgendiagnostik, die hier ebenfalls unterbewertet ist. Lediglich im Bereich der Großgeräte lassen sich gute Gewinne erzielen, die letztendlich zu einer Querfinanzierung von defizitären Untersuchungen wie beispielsweise im GKV-Bereich herangezogen werden können.

 

Die derzeitige Abrechnungssituation liegt vor allem darin begründet, dass der Punktwert des EBM 2009 vom Erweiterten Bewertungsausschuss auf 3,5 Cent festgelegt wurde, was etwa 30 Prozent unter dem betriebswirtschaftlich kalkulierten Wert von 5,11 Cent liegt. Bei der GOÄ wird seit Jahrzehnten eine Anpassung der Vergütungsstruktur an die wirtschaftlichen Erfordernisse der Jetztzeit vermisst. Deshalb hat unter anderem die Bundesärztekammer wiederholt gefordert, diese Gebührensysteme dringend einer Neubewertung zu unterziehen.

Auf einen Vergleich der Istkosten mit den vom InEK im Rahmen der DRGs kalkulierten Kosten für den stationären Bereich musste aus unternehmensinternen Gründen verzichtet werden.

 

Die Entscheidungen von überweisenden Ärzten, eine diagnostische Maßnahme anzufordern, sollten möglichst auf dem neuesten Stand der evidenzbasierten Medizin erfolgen. Für das Bronchial-, Mamma- und das Kolonkarzinom, die drei am häufigsten diagnostizierten Krebsarten, wurden die essenziellen Untersuchungen differenziert nach a) Primärdiagnostik für ein frühes und b) weiterführender Diagnostik für ein fortgeschrittenes Tumorstadium auf der Basis der Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften sowie den Empfehlungen der Strahlenschutzkommission zusammengefasst und können somit als Richtschnur für ärztliches Handeln dienen. Um unnötige Kosten und Strahlenexpositionen zu vermeiden, sollte dieses Procedere auch aus ökonomischen Gründen eingehalten werden. Grundsätzlich bleibt festzuhalten, dass es nicht die Medizintechnik ist, die als Hauptkostentreiber im Gesundheitswesen wirkt. Im Gegenteil ergeben sich durch ihren gezielten Einsatz sogar Einsparpotenziale wie beispielsweise die Senkung von Therapiekosten. 

 

Um sich wirtschaftlich für die Herausforderungen der Zukunft zu rüsten, können für Krankenhäuser die Einführung eines effizienten Prozessmanagements und klinischer Behandlungspfade sowie die Steuerung mit Kennzahlensystemen sehr nützliche Instrumente des Controllings sein. Mit ihrer Hilfe lassen sich strukturelle Abläufe straffen und damit weitere Kosten reduzieren, die Behandlungsqualität auf hohem Niveau standardisieren und verfügbare Ressourcen gezielt einsetzen. Diese Einzelkomponenten können in dem modernen integrierten Managementkonzept einer Balanced Scorecard zusammenfasst werden, die alle Abteilungen eines Krankenhausbetriebes erfasst. Da sich die BSC nicht nur auf die Finanzperspektive fokussiert, sondern auch auf Prozesse und die Belange und Potenziale der Mitarbeiter, kann sich das Krankenhaus als Organisation auf seine Strategien und langfristigen Interessen konzentrieren. Qualitätsaspekte lassen sich mit qualitativen Kennzahlen im Rahmen eines modernen Qualitätsmanagements umsetzen und auf deren Wirksamkeit überprüfen.

 

Das Ziel dieser Arbeit liegt auch darin, ärztliche Kollegen zu mehr wirtschaftlichem Denken bei der Veranlassung diagnostischer Untersuchungen zu motivieren. Letztendlich hat jede ärztliche Entscheidung auch ökonomische Konsequenzen, die sich in den zur Verfügung stehenden gemeinsamen Ressourcen niederschlägt. Es wäre also wünschenswert, wenn Ärzte ihr Handeln nicht nur rein fachlich, sondern auch gesundheitsökonomisch hinterfragen würden, denn auch dieser Aspekt gehört zu ihrer verantwortungsvollen Tätigkeit im Dienste der Gemeinschaft.